Was sieht Robomatic Marvin wirklich?

Datenschutz und Datensicherheit bei der autonomen Reinigung

Robomatic Marvin bewegt sich selbstständig durch Produktionshallen und andere sensible Betriebsbereiche. Dabei zählt nicht nur eine zuverlässige Reinigungsleistung. Ebenso wichtig ist das Vertrauen in den Umgang mit den entstehenden Daten. Marcel Rauschenberger, Leiter Forschung und Entwicklung (R&D) bei Wetrok, erklärt im Interview, welche Informationen Marvin verarbeitet und wie Wetrok für Datenschutz und Datensicherheit sorgt.

Karin Zenker

Veröffentlicht  

Welche Fragen oder Bedenken begegnen euch im Austausch mit Kundinnen und Kunden besonders häufig?

Am häufigsten geht es um den Standort der Server, die Speicherung von Kamerabildern und die Übertragung von Daten. Viele möchten zudem wissen, wer auf die Daten zugreifen kann, welche Partner an der Datenverarbeitung beteiligt sind und welche Schutzmassnahmen Wetrok getroffen hat. Regelmässig angefordert werden auch Nachweise über Datenschutzprüfungen, Angaben zu Löschfristen sowie Bestätigungen über erfolgte Datenlöschungen.

Marvin bewegt sich selbstständig durch Produktionshallen und andere sensible Betriebsbereiche. Welche Informationen nimmt er dabei über seine Umgebung wahr?

Marvin erfasst seine Umgebung mithilfe der Sensorik, die er für die Navigation und einen sicheren Betrieb benötigt. Dabei stehen Hindernisse, freie Fahrbereiche und die gelernte Reinigungsroute im Vordergrund. Die Sensorik dient ausschliesslich der Orientierung und der Hinderniserkennung.

Umgang mit statischen Hindernissen.
Umgang mit bewegten Hindernissen.
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Kann Marvin Personen erkennen oder sogar identifizieren? Was geschieht, wenn jemand seinen Weg kreuzt?

Marvin erkennt, dass sich ein Hindernis in seinem Fahrweg befindet, und weicht diesem aus oder hält an. Er unterscheidet dabei jedoch nicht zwischen einer Person und einem Gegenstand. Die Sensorik bildet die Umgebung nicht als Foto, sondern als Punktewolke ab. Eine Identifikation einzelner Personen ist damit nicht möglich.

Welche Daten benötigt Marvin, um sicher zu navigieren und seine Reinigungsroute abzufahren?

Der Roboter funktioniert nach dem «Teach & Repeat»-Verfahren. Eine zu reinigende Fläche wird zunächst manuell abgefahren. Dabei werden die Reinigungseinstellungen und die Routen aufgezeichnet und lokal auf der Maschine gespeichert. Im autonomen Betrieb nutzt Marvin die dabei erstelle Karte zur Orientierung. Neue Hindernisse erkennt Marvin laufend mithilfe seiner Sensoren.

Welche Informationen werden direkt auf der Maschine verarbeitet und welche Daten werden an einen Server übertragen?

Sämtliche Daten, die für einen sicheren Betrieb der Maschine erforderlich sind, werden direkt auf der Maschine verarbeitet, damit die Maschine in Echtzeit reagieren kann. Im normalen Betrieb übermittelt Marvin uns nur einfache, statistische Informationen wie beispielsweise, ob er sich orientieren konnte oder ob ein Not-Halt ausgelöst wurde. Für die Flottenverwaltung in Wetrok Connect kommen Angaben wie Standort, Status sowie Reinigungs-, Lade- und Betriebszeiten hinzu. Für besonders vertrauliche Einsatzbereiche kann Marvin ohne SIM-Karte und damit vollständig offline betrieben werden. In diesem Betriebsmodus werden keinerlei Daten übertragen. Allerdings sind dann auch keine Softwareupdates der Maschine möglich.

Speichert Marvin Kameraaufnahmen oder andere Bilddaten? 

Im normalen Betrieb werden weder in der Cloud noch auf der Maschine Kameraaufnahmen gespeichert. Nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Kundin oder des Kunden können vorübergehend zusätzliche Daten auf der Maschine gespeichert werden, beispielsweise für die genauere Fehleranalyse und zu Diagnosezwecke.

Teach & Repeat: Die Fläche wird einmal manuell abgefahren. Anschliessend reinigt Marvin sie autonom.
Digitale Orientierung: Marvin bildet seine Umgebung als abstrakte Punktewolke ab.
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Was geschieht mit den gespeicherten Routen und Umgebungsdaten? Lassen sich daraus Rückschlüsse auf ein Gebäude oder seine Nutzung ziehen? 

Die Routen- und Kartendaten bleiben auf der Maschine und werden nicht automatisch übertragen. Die Karte bildet die räumliche Struktur ab. Aus den Kartendaten allein geht nicht hervor, an welchem geografischen Standort sich der Raum befindet. Personen werden darin nicht identifiziert.

Wer kann auf die Daten zugreifen und wie wird verhindert, dass sie in falsche Hände geraten?  

Auf Marvin und die zugehörigen Systeme hat nur ein kleiner, klar definierter Kreis von berechtigten Personen in der Schweiz Zugriff. Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt. Auch der lokale Datenspeicher der Maschine ist verschlüsselt. Marvin akzeptiert zudem ausschliesslich Dateien, die nachweislich von unserem Robotikpartner stammen. Im Wetrok Connect haben nur Personen Zugriff, die für das Flottenmanagement berechtigt sind.

Welche Bedeutung hat es für die Datensicherheit, dass die Daten auf Servern in der Schweiz gespeichert werden?    

Alle serverseitig gespeicherten Daten liegen in der Schweiz. Dadurch ist für unsere Kundinnen und Kunden transparent, wo ihre Daten verarbeitet werden. Gleichzeitig vermeiden wir eine Speicherung an unbekannten oder nicht klar ausgewiesenen Standorten. Je nach Einsatzgebiet können zusätzliche Datenschutzbestimmungen gelten, die wir ebenfalls berücksichtigen.

Wie werden Softwareupdates übertragen und gegen unbefugte Zugriffe geschützt?    

Die Updates werden über eine verschlüsselte Mobilfunkverbindung übertragen und gegen Manipulation geschützt. Marvin akzeptiert ausschliesslich autorisierte Softwarepakete. Die Robotiksoftware wird von unserem Robotikpartner im Auftrag von Wetrok aktualisiert.

Was passiert mit den Daten, wenn Marvin verkauft, ausser Betrieb genommen oder aus einem Objekt entfernt wird?    

Kundinnen oder Kunden können uns jederzeit beauftragen, die Daten zu löschen ‒ zum Beispiel beim Verkauf, bei der Ausserbetriebnahme oder bei einem Standortwechsel. Auf Wunsch bestätigen wir die Löschung schriftlich.

Werden Datenschutz und Cybersicherheit bei autonomen Reinigungsmaschinen künftig noch wichtiger?    

Ja, davon sind wir überzeugt. Je mehr Roboter im Alltag unterwegs sind, desto wichtiger ist das Vertrauen in sie. Und Vertrauen entsteht nur, wenn Daten gut geschützt sind.  Datenschutz und Cybersicherheit begleiten uns über den gesamten Produktlebenszyklus. Dazu gehört die laufende Prüfung von Risiken, sichere Softwareupdates und klar definierte Prozesse für mögliche Schwachstellen. Gleichzeitig richten wir unsere Prozesse und Produkte an den schrittweise wirksam werdenden Anforderungen des Cyber Resilience Act aus.

Was sagen Sie Kunden, die beim Thema Datenschutz noch unsicher sind?    

Datenschutz und Datensicherheit haben bei Marvin einen hohen Stellenwert. Wir verarbeiten nur die Daten, die für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb erforderlich sind. Unsere Kundinnen und Kunden sollen jederzeit nachvollziehen können, welche Daten entstehen, wo sie gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann. Diese Transparenz ist für uns eine wichtige Voraussetzung für Vertrauen in die autonome Reinigung.

«Vertrauen entsteht nur, wenn Daten gut geschützt sind.»
Marcel Rauschenberger, Leiter Forschung & Entwicklung
Wetrok

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